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Zum Egoismusbegriff

In Zeiten wirtschaftlicher Krisen ist die Rede vom Egoismus der Managerinnen und Manager als Ursache allen Übels stets sehr beliebt. Abgesehen von der zugrunde liegenden falschen Analyse der kapitalistischen Ökonomie ist auch der Egoismusbegriff selbst irreführend, da er eine Trennlinie zwischen „materialistischem“ und „humanistischem“ Handeln zieht und das erste dem Egoismus, das letztere aber der Mitmenschlichkeit zuordnet. Gäbe es also den Egoismus nicht, so die daraus sich ergebende Schlussfolgerung, würde alles reibungslos funktionieren.
Nun kann es aber keine anderen Gründe für die Handlungen eines Menschen geben, als seinen Willen und seine Gefühle, kurz: die Persönlichkeit des Menschen ist verantwortlich für seine Handlungen. Verhindert wird dies in Fällen von Zwangsausübung, dann aber kann man auch nicht mehr von einem freien Willen sprechen.
Ob eine Person nun einer anderen scheinbar „selbstlos“ hilft oder sich unter Ausnützung anderer bereichert, dahinter steht doch stets der Wunsch, das eigene Wohlergehen zu steigern.
Dass in einer Konkurrenzgesellschaft, in welcher der eigene materielle Vorteil stets den Nachteil einer Anderen bedeutet, und in welcher der einzige Zweck der Produktion die Akkumulation von Kapital ist – Bedürfnisbefriedigung also nur dann stattfinden kann, wenn das Vorhandensein von Geld es der Bedürftigen ermöglicht – Menschen nach den Maximen handeln, die heute als „Egoismus“ bezeichnet werden, sollte nicht verwundern. Indem man den so Handelnden dennoch eine Charakterschwäche attestiert, verleugnet man die Gesellschaftlichkeit des Menschen und anthropologisiert die kapitalistische Wirtschaftsweise.
Auch lustfeindliche Verzichtsideologen handeln ja nicht gegen ihren eigenen Willen, sondern fühlen sich moralisch überlegen, indem sie das ohnehin schon bestehende Elend in seiner Potenzierung zur ultima ratio der Sozialisation erheben.
Eine Gesellschaft, welche Solidarität als Reaktion auf die ökonomisch bewirkte Vereinzelung der Individuen benötigt, bringt notwendigerweise auch jenes Verhalten hervor, das dann als „Egoismus“ moralisch verurteilt wird. Die Möglichkeit der Loslösung des Einzelnen von Sippe, Stamm und Volk jedoch ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft, die Feindschaft gegenüber jeder Individuation und der Wunsch nach vollständigem Aufgehen in der Gemeinschaft kennzeichnet die brutalsten Formen auch noch der modernen Gesellschaftlichkeit. Dem gilt es das Bestehen auf Emanzipation von allen Zwangskollektiven entgegenzusetzen.
Ein von der Moral befreiter Egoismusbegriff höbe sich somit auf, da er den Menschen als Einzelnen in der Gesellschaft – nicht jedoch als Abstraktion von der Menschheit als solcher – als Ursprung des jeweils individuellen Handelns fassen würde und damit zu der Erkenntnis führen müsste, dass Menschen stets nur um ihres eigenen Wohlbefinden Willens agieren.
Die Bewertung des Handelns jedes Menschen steht jedem anderen Menschen offen und natürlich können eine Managerin oder ein Manager vollkommene Arschlöcher sein, genau wie eben jede Arbeiterin und jeder Arbeiter, den einen jedoch Egoismus und den anderen Sorge um das allgemeine Wohl zu unterstellen, ist schlicht falsch.
Es bedarf einer Einrichtung der Gesellschaft, die es ermöglicht, einen Nutzen zu erzielen ohne Schaden zuzufügen.

So what?

Knapp zwei Wochen nachdem das BZÖ bei der Nationalratswahl in Österreich seinen Stimmenanteil fast verdreifacht hatte, verunglückte Jörg Haider bei einem Autounfall. In Österreich wurden schnell Stimmen laut, am Auto sei etwas manipuliert worden, er habe ja auch genügend Feinde. Nicht sehr überraschend ergab der Unfallbericht, dass Jörg Haider einfach zu schnell unterwegs war: 142 km/h statt der vorgeschriebenen 70 km/h. Doch notorische Verschwörungstheoretikerinnen und -theoretiker wird die Realität sowieso nicht überzeugen.
Deshalb gehen wir direkt zu den Reaktionen in der Linken über. Diese waren, eigentlich wenig überraschend, durchwegs euphorisch. Doch warum überhaupt? Ja klar, Jörg Haider war tot, eine Galionsfigur der extremen Rechten in Österreich und wohl auch darüber hinaus, ist für immer von der Bildfläche verschwunden, doch wird sich dadurch irgend etwas zum Besseren in Österreich ändern? Wohl kaum.
Die Menschen, die ihn gewählt haben, sind nach seinem Tod nicht verschwunden und seine Erbinnen und Erben, allen voran HChé Strache, stehen schon bereit. Vielen scheint nicht klar zu sein, dass bei der letzten Nationalratswahl das „dritte Lager“ fast zur stärksten politischen Kraft in Österreich wurde. Das Wahlergebnis sah für die Außenstehenden nur so beruhigend aus, weil sich das „dritte Lager“ Anfang des Jahrtausends in zwei Parteien gespalten hatte. Zusätzlich hatte aber auch noch die persönliche Feindschaft zwischen den Akteurinnen und Akteuren der Parteien eine Zusammenarbeit verhindert, und damit auch einen Innenminister Strache und einen Justizminister Haider.
Kurz vor Haiders tödlichem Unfall kam es zwischen ihm und Strache zu einem klärenden Gespräch, einer Kooperation der beiden rechtsextremen Parteien schien nicht mehr viel im Wege zu stehen. Doch mit dem Unfalltod hat sich die Situation wieder geändert. Die FPÖ weiß, dass das BZÖ ohne Haider bei Wahlen kaum über die 4%-Hürde kommen wird, dies also das Ende der Partei in naher Zukunft bedeutet. Aus diesem Grund kann die FPÖ zurecht darauf spekulieren, einen Großteil der Wählerinnen und Wähler des BZÖ zu übernehmen, um dann bei den nächsten Wahlen in Österreich, die wahrscheinlich lange vor dem Ende der nächsten Legislaturperiode angesetzt werden, zur stimmenstärksten Partei zu werden. Somit wird es zwar keine Vereinigung der beiden Parteien geben, aber zumindest eine Ihrer Wähler und Wählerinnen.
Aus all diesen Gründen ist es zwar richtig, dem unreflektierten Abfeiern von Haiders Tod entgegenzuhalten, dass sich dadurch nicht viel geändert hat, weil eben das Wähler- und Wählerinnenpotenzial für rechtsextreme Parteien in Österreich bestehen bleibt. Aber die vereinfachende Behauptung, Haider sei einfach nur Demokrat gewesen, die einige wohl beim GSP abgeschrieben haben, wird dadurch auch nicht richtig. Ein so allgemein gehaltener Demokratiebegriff taugt eben nicht dazu, die Besonderheit einer postfaschistischen Demokratie zu analysieren.
Jörg Haider war Radikal- oder besser Basisdemokrat, der im Fall der zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten den Volkswillen gegen die Verfassung exekutierte oder direktdemokratische Instrumente wie das Ausländervolksbegehren 1993 zum Erreichen seiner politischen Ziele einsetzte. Ihn aber deshalb einfach einen Demokraten zu nennen verschleiert, in was für einer postfaschistischen und postnationalsozialistischen Gesellschaft er und seine Erben erfolgreich waren und sind.
Stephan Grigat und Florian Markl schrieben dazu vor einigen Jahren in ihrem Aufsatz „Österreichische Normalität“ folgendes:
„So sehr der Rassismus und Nationalsozialismus eines Haider jenem von sämtlichen westeuropäischen demokratischen Normalstaatsrassisten und Nationalisten ähnelt, ist immer zu berücksichtigen, dass Haider ein Politiker in einer postnationalsozialistischen Gesellschaft ist. Vermutlich kann nur in solch einer Gesellschaft der mit sämtlichen Motiven des sekundären Antisemitismus arbeitende Antisemitismus Haiders und anderer FPÖler in der Form funktionieren, wie man es seit geraumer Zeit beobachten muss.“
Auch wenn der historische Nationalsozialismus auf eine breite Zustimmung in der Bevölkerung bauen konnte und er im Gegenzug zum Ausführungsinstrument des Volkswillen wurde – und hier, in der Unmittelbarkeit der Herrschaft, liegt auch die nähe von Haiders FPÖ zum historischen Nationalsozialismus – war der Nationalsozialismus ohne den faschistischen Terror gegen eine als Bedrohung wahrgenommene ArbeiterInnenklasse (dieses Bedrohungspotential hätte die ArbeiterInnenbewegung damals auch gehabt, wenn sie dies gewollt hätte) nicht denkbar.
In einer postfaschistischen und postnazistischen Gesellschaft ist dieser Terror aber gar nicht mehr notwendig, eine organisierte sozialistische ArbeiterInnenklasse gibt es nicht zu zerschlagen (die FPÖ wurde 1999 zur stärksten Partei bei den Arbeitern und Arbeiterinnen) und auch sonst ist keine ernstzunehmende Opposition auszumachen. In einer solchen Gesellschaft sind auch keine langen einpeitschenden Reden eines faschistischen Führers mehr notwendig, Anspielungen reichen hier schon völlig aus. Die nationalsozialistischen Ideen werden demokratisiert, die vom demokratischen Faschisten angesprochenen sollen seine Anspielungen selbstständig und in Eigenregie zu Ende denken. Statt langen Reden über eine jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung lässt man nur kurz das Wort Ostküste fallen, die im Antisemitismus geschulten Österreicher wissen instinktiv, was damit gemeint ist.
Jörg Haider war deshalb weder Antidemokrat, dem man in demokratieidealistischer Absicht die II. Republik entgegenhalten konnte, noch einfach „nur“ Demokrat: er stand für einen modernisierten, selbstbestimmten, demokratischen Faschismus.

Lieber sinnvoll diskutieren

So notwendig und richtig die grundlegende Kritik an der deutschen Linken ist, so mühsam ist sie auch. Es erweist sich täglich aufs Neue, dass Menschen mit einem geschlossen-ideologischen Weltbild und auswendig gelernten Argumenten fern der Realität für Argumente nur schwer zugänglich sind.
Realpolitik und Kritik vermischen sich, die Trennung wird aufgehoben und die Ablehnung des staatlichen Eingreifens zur Stabilisierung des Finanzsystems wird als Systemkritik imaginiert. Dabei wird ausgeblendet, dass eine Ausweitung der gegenwärtigen Krise innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Konstitution und ihren Denkformen, in der die Sozialdemokratie in Gestalt der Linkspartei bereits vom Großteil der Bevölkerung als Bedrohung der bürgerlichen Ordnung empfunden wird, weit schlimmere Folgen hätte als das Warten auf eine finale Krise, deren Eintreffen mehr als ungewiss ist. 700 Mrd. $, die nicht in das Finanzsystem gepumpt werden, werden noch lange nicht in sozialstaatliche Maßnahmen, medizinische Hilfsprogramme oder die ohnehin meist erfolglose „Entwicklungshilfe“ investiert.
Anstatt auf die zwangsläufige Krisenhaftigkeit des Kapitalismus hinzuweisen und das Entstehen der Spekulation als kapitalismusimmanent historisch notwendig zu belegen, sind wieder einmal raffgierige Manager oder der böse Zins die Wurzel allen Übels. Durch eine Regulierung des Bankensektors soll endlich allgemeine Gleichheit, die meist Elend meint, erreicht werden.
Nationalismus und Volksbegriff mit all ihren brutalen Folgen erscheinen der Linken plötzlich als Nebenproblem, wenn nur der Sozialismus endlich siegt. Als ob bürgerlicher Staat und kapitalistische Wirtschaftsweise zwei getrennte Sphären wären und eine Überwindung „des Neoliberalismus“ im nationalen Sozialismus das Paradies und nicht die Hölle auf Erden.
Es gilt zu überlegen, ob sich Diskussionen mit sich selbst als unpolitisch bezeichnenden oder den Fortschritt bejahenden Menschen nicht sinnvoller sind als das ewige und kraftraubende sich reiben an einer sich als emanzipatorisch verstehenden Linken, die allgemeines Elend im völkischen Zwangskollektiv meint, wenn sie Emanzipation sagt und die gesellschaftlichen Fortschritt nur als Errungenschaft von eben jenen Zwangskollektiven zu begreifen im Stande ist. Die Historie ist keineswegs eine Geschichte „großer Männer“, aber alles fortschrittliche an ihr sind eben nicht völkische Bewegungen, sondern die Schritte auf dem Weg zur Individuation der Einzelnen, die sich von Stamm, Familie und anderen Gemeinschaften emanzipierten.
Menschen, die tatsächlich zuerst einmal und vor allem an der Verbesserung ihres eigenen Lebensstandards interessiert sind, sind angenehmere DiskussionspartnerInnen als Menschen, die nie sich selbst, sondern immer die gesamte Menschheit im Blick haben und dazu ganz nebenbei den „neuen Menschen“ schaffen wollen, ein Vorhaben, dessen fehlende Realisierbarkeit die Geschichte bereits zur Genüge gezeigt haben sollte.

Die Ohnmacht der Gespenster

In den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen befinden sich die Anhängerinnen der freien Assoziation der Individuen (im Folgenden unter der Wortfamilie des Communismus gefasst) in einer vollkommen marginalisierten Position. Um dies festzustellen, bedarf es keiner ausgeprägten analytischen Fähigkeiten oder entwickelter soziologischer Methoden.
Wenn trotz aller wahrgenommenen Unzufriedenheiten überhaupt der Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung besteht, die über ein rein reformistisches Eingreifen hinausweist, so äußert sich dieser meist in regressiven Vorstellungen von Volksgemeinschaft oder Staatssozialismus, sprich dem Ideal der negativen Aufhebung des Kapitalverhältnisses.
Anstatt diese Situation zu überdenken und zumindest verzweifelt zu versuchen, in irgendeiner Weise communistische Agitation zu betreiben, bleiben in großen Teilen der progressiven radikalen Linken die Aktionsformen weit hinter dem Reflexionsniveau zurück, während in der traditionellen Linken das Reflexionsniveau vermutlich exakt den traurigen Aktionsformen entspricht.
Um sich selbst und anderen die eigene Ohnmacht nicht eingestehen zu müssen, beginnen Communistinnen einen „Kampf“ gegen eine zwar sicherlich widerliche und inhaltlich in höchstem Maße anti-emanzipatorische, aber eben doch gesellschaftlich ebenfalls vollkommen marginalisierte „Bewegung“: die Nazis.
Spätestens seit dem Antifa-Sommer 2000 ist der Kampf gegen Nazis Staatsraison, was natürlich nicht bedeutet, dass auch inhaltlich eine vollständige Abgrenzung stattfand, da eine solche in einer auf Staat, Nation und Kapital beruhenden Gesellschaft schlicht und einfach nicht möglich ist. Dennoch werden Nazis als Störfaktor für den Standort Deutschland wahrgenommen; mit Ausnahme einiger zivilisationsfeindlicher Gebiete vor allem in Ostdeutschland besitzen sie keinerlei gesellschaftliche Relevanz.
Anstatt sich nun darüber zu freuen, dass eine als Hauptaufgabe der Linken wahrgenommene Aufgabe, der Selbstschutz durch Widerstand gegen die deutlichste Ausprägung deutscher Denkformen in Gestalt der Nazis, zum Programm der Zivilgesellschaft wird, beginnen auch Communistinnen wie die gesamte deutsche Linke einen vollkommen unsinnigen Wettkampf mit Parteien und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren um den besten Antifaschismus (der heute eben fast ausschließlich Antinazismus meint), welcher sich ausschließlich auf symbolischer Ebene vollzieht. Inhaltliche Differenzen treten in den Hintergrund zugunsten eines gesamtgesellschaftlichen „Aufstands der Anständigen“, es ist unmöglich, auf einer Demonstration oder bei gemeinsamen Hetzjagden auf die vermeintlichen Hauptfeinde (deren Sinn durchaus bezweifelt werden darf) theoretisch zu vermitteln, warum Nazis eben nur eine besonders widerliche Ausprägung der gesamtgesellschaftlichen Konstitution sind und deren Verschwinden nicht den Beginn eines goldenen Zeitalters markieren würde.
Um sich aber dennoch von den zumeist als inhaltlich ja durchaus so wahrgenommenen „Gegnerinnen der eigenen Sache“ innerhalb des antinazistischen Volksaufstandes abzugrenzen, wird eine Scheinradikalität geschaffen, die sich im Tragen von möglichst martialisch aussehenden schwarzen Kleidungsstücken ausdrückt. Seine Funktion als Selbstschutz vor Anti-Antifa und filmenden Repräsentantinnen der Staatsgewalt hat dieser Dresscode, so er sie denn jemals besaß, längst verloren. Stattdessen ist er Ausdruck einer Selbststilisierung, die fehlende inhaltliche Abgrenzung durch modische Grausamkeiten zu ersetzen sucht. Im Wissen darum, sich innerhalb der antinazistischen Bewegung nicht von deren nationaler Funktion abgrenzen zu können, klammern sich Antifas an Statussymbole und gewaltfetischistisches Verhalten und finden ihre größte Bestätigung im alljährlichen Erscheinen im Verfassungsschutzbericht.
Auch wenn der rebellische Gestus – ähnlich wie auch im sexistisch-homophoben Rap oder bei den verunglückten Frisuren der Punks – eine gewisse Anziehungskraft auf „alternative“ Jugendliche ausübt und die Antifa somit immer wieder einen Einstiegspunkt in communistische Zusammenhänge bietet, so ist das abschreckende Erscheinungsbild eines hemmungslos grölenden „schwarzen Blocks“, welches den größten Teil der Außenwahrnehmung communistischer Gruppen ausmacht, auf Dauer doch eher hinderlich für eine argumentative Auseinandersetzung mit anderen Menschen und somit auch für die eigentliche Agitation, die tatsächlich schwieriger und auch deprimierender ist als das Mitschwimmen im antinazistischen Konsens linker bzw. bürgerlicher Bündnisse, jedoch gleichzeitig unerlässlich bleibt angesichts der oben beschriebenen Ohnmacht.
Allerdings scheint es so, als fühlten sich communistische Gruppen durchaus wohl in ihrem eigenen subkulturellen Kosmos. Die eigene Gruppe ist ein Schutzraum gegen die „feindliche Außenwelt“, hier finden Communistinnen Freundinnen, die denken wie sie, hier können Argumente weiterentwickelt und Kraft gesammelt werden für den Rest der Woche bis zum nächsten Treffen. Dies ist an sich keinesfalls zu verurteilen und bewahrt einige Communistinnen womöglich vor der vollkommenen Verzweiflung. Wenn sich die politischen Aktivitäten allerdings darauf beschränken, die eigenen Strukturen und somit das Fortbestehen der eigenen Subkultur zu erhalten, so wird die eigene Ohnmacht potenziert und die Idee des Communismus bleibt ein Gespenst ohne Raum zum Spuken.
Die Reflexion der eigenen marginalisierten Position sollte einerseits nicht dazu führen, sich durch gesellschaftlich anerkannte Aktivitäten, wie z.B. den „Kampf gegen Nazis“, von der eigenen Handlungsfähigkeit überzeugen zu wollen, andererseits sollte aus ihr aber auch nicht der Rückzug in die winzige heile Welt der Politgruppe folgen.