Sehr geehrter Herr Peter Rosenthal,

wir sind sehr neidisch. So wie wir gerne Microsoft gegründet und den Kommunismus erfunden hätten, so gerne wären wir auf die Idee gekommen, den potentiellen Erfolg von Automobilen und also deren Design nicht mehr nach dem Prinzip Hoffnung und durch Marktumfragen vorab zu messen, sondern durch objektivierbare Schönheitskriterien. Aber wie soll das gehen? Der F.A.Z. haben Sie es verraten:

„Gibt es zum Beispiel eine Stereoanlage, eine Lampe oder eine Schrankwand, der man ein Lächeln zuschreibt oder von der man behauptet, sie habe kräftige Schultern oder ein knackiges Hinterteil?“

Nein, aber bei Autos machen Menschen das, weshalb Sie auf die geniale Idee gekommen sind die humane Attraktivitätsforschung in ihre Theorie zu integrieren, 71 Schönheitsaspekte von Autos zu entwickeln und Simsalabim, war die automobile Physiognomie geboren. Dass die auf dieser Grundlage getroffenen Prognosen zu 85 Prozent richtig sind und damit andere konventionelle Prognoseformen um Längen schlagen, hätten wir nicht geglaubt, wenn es nicht notariell bezeugt wäre.

Gefreut haben wir uns auch, dass die F.A.Z. Ihrer Erfindung eine ganze Seite gewidmet und diese mit drei Bildpaaren geschmückt hat: Das erste zeigt einen Mini Cooper und ein Baby, da die Physiognomie des Mini der des Babys gleicht bzw. andersrum, das war uns nicht so ganz klar. Die Bildpaare zwei und drei zeigen einmal den neuen Ford Fiesta, der ihrer Prognose folgend hübsch ist, weshalb er auch nebst dem Gesicht eines hübschen jungen Mannes zu finden ist, und den Toyota Auris, dessen Physiognomie irgendwie nicht so toll ist und der also ein eher hässliches Gesicht als menschliches Äquivalent verpasst bekommen hat.

Bei all der Begeisterung für ihre nüchternen Ausführungen zur Menschwerdung der Technik, geht uns eine Frage nicht aus dem Kopf: Wie muss ein Auto aussehen, dass nach dieser Physiognomie gebildet wurde?

Technisch interessiert und mit freundlichem Gruss verbleibt
Offensive Selbstverteidigung


1 Antwort auf „Sehr geehrter Herr Peter Rosenthal,“


  1. 1 cer (Autoauge 10. November 2010 um 18:07 Uhr

    Hier ist die Grundlage dafür:

    „Car lovers recognise vehicles as faces
    13:14 10 March 03 NewScientist.com news service

    Men who are fanatical about cars identify vehicles using the same brain circuitry used to recognise faces, new research shows.

    Forty men, half of whom were proven automobile aficionados, were fitted with sensors to monitor electrophysiological activity in part of the brain linked with facial identification. They were then asked to identify faces and cars, individually and then together.

    The car lovers had greater difficulty in recognising vehicles from isolated details, suggesting they recognise them „holistically“. This method is normally associated with facial identification.

    The researchers, Isabel Gauthier of Vanderbilt University in Nashville and Tim Curran of the University of Colorado at Boulder, say their findings contradict the theory that at one part of the brain is used solely for facial recognition.

    Auromobile aficionados also found it more difficult to identify an image consisting of parts of both faces and cars. The researchers say this „traffic jam“ in the brain indicates that the same neural process is used to process both types of image.

    Extreme interest

    The monitoring of subject’s brain activity showed that attempts to identify cars and faces simultaneously occurred at the same time. Both signals were recorded less than a fifth of a second after the image was seen, leading the researchers to conclude that they represent an early stage of image processing.

    „This indicates that it is a basic perceptual process, not something that happens because auto experts attend to, or reason about, cars in a different way,“ Gauthier says. „At least some of the same neural circuitry must be involved in identifying faces and other objects of extreme interest,“

    Andy Calder, at the MRC Cognition and Brain Sciences Unit at Cambridge University, UK, agrees that the work indicates that the region of the brain used for facial recognition has a discernable effect on the recognition of other things.

    But he says alternative interpretations of the electrophysiological signals are possible. Even in the short time available, some suggest that the subjects‘ brains could be performing a more complex perceptual process, assigning a sociological meaning to the images seen.

    Will Knight

    Kein Grund zur Beunruhigung, es funktioniert.
    Die Bilder sind (bis auf das Baby) übrigens mit einer Software gemacht, die sonst für das Basteln von Phantombildern benutzt wird (Polzei, Fahnung, you know…)
    Die Anordnung der einzelnen Elemente (Augen, Mund etc.) folgt dem jeweiligen Auto nach einem bestimmten Schema.

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