Liebe Judith Butler,

als Gewährsgenderkiller_in der postmodernen Linken haben Sie Ihr Projekt der Dekonstruktion Ihrer Restvernunft erfolgreich beendet, und zwar schon vor drei Jahren, wie wir erst jetzt erfahren haben. Damals, als Israel im Libanon gegen die Hisbollah Krieg geführt hat und deshalb nicht nur an nordamerikanischen Unis Veranstaltungen stattfanden die Israel verurteilten, haben auch Sie als Expertin an einer Veranstaltung teilgenommen und sind mit Fragen konfrontiert worden, die linke Studierende an Eliteunis umtreiben:

1. Since Israel is an imperialist, colonial project, should resistance be based on social movements or the nation-state?
2. What is the power of the Israel Lobby and is questioning it antisemitic?
3. Since the Left hesitates to support Hamas and Hezbollah “just” because of their use of violence, does this hurt Palestinian solidarity?
4. Do Hamas and Hezbollah actually threaten Israel’s existence, as portrayed in some media?

Das wäre nun eine großartige Gelegenheit gewesen die Intentionen der Fragenden zu dekonstruieren und beispielsweise zu fragen, warum man von Ihnen als Jüdin eine politisch korrekte Kritik der Israel-Lobby erwartet. Sie hätte natürlich auch den ideologischen Charakter der Gewalt von Hamas und Hisbollah dekonstruieren können. Aber freilich ist das nicht Ihre Sache, da Sie weder Kommunistin sind, noch Bürgerliche, sondern eben: postmoderne Labertante. Und daher haben sie konsequent die dämlichste Antwort gegeben, die man sich vorstellen kann:

Similarly, I think: Yes, understanding Hamas, Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left, that are part of a global Left, is extremely important. That does not stop us from being critical of certain dimensions of both movements. It doesn’t stop those of us who are interested in non-violent politics from raising the question of whether there are other options besides violence. So again, a critical, important engagement. I mean, I certainly think it should be entered into the conversation on the Left.

Hisbollah und die Hamas sind also Teile der global left? Es gab eine Zeit in der überall auf der Welt sich Vereinigungen auf Marxismen berufen haben, um ihre Ziele zu legitimieren. Das brachte die Schwierigkeit mit sich, dass man als Kritikerin sich ankucken musste, wie diese Vereinigungen es tatsächlich mit dem Ziel der klassen- und staatenlosen Weltgesellschaft halten. Im Fall von Hamas und Hisbollah freilich kann man sich das sparen, weil diese nicht im entferntesten auf die Idee kommen würden ihre Gewalt als links oder sozialistisch zu verkaufen, weil damit heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Sparen sollten wir uns eigentlich auch den Verweis darauf, dass der Herrschaftsbereich von Hamas und Hisbollah für Frauen und Homosexuelle die Hölle bedeutet. Da Ihnen das aber kein Wort wert ist, wollen wir es doch erwähnt haben.

Herzlichst voller Verachtung für Sie und Ihre Genossen von Hamas und Hisbollah
Offensive Selbstverteidigung


10 Antworten auf „Liebe Judith Butler,“


  1. 1 tom 09. April 2010 um 11:51 Uhr

    Wenn das ein Brief an Judith Butler sein soll – warum ist er dann in deutsch geschrieben?

  2. 2 T.S. 10. April 2010 um 13:34 Uhr

    Danke für diesen Beitrag. Das zeigt wirklich auf, wie heruntergekommen die globale Linke inzwischen ist. Was hat denn das ganze queere Engagement im Westen für einen Sinn, wenn man im Nahen Osten offen Partei für genau die Mächte ergreift, die allem, für das die queere Bewegung steht, schlichtweg entgegengesetzt sind?

  3. 3 bigmouth 10. April 2010 um 13:56 Uhr

    Sparen sollten wir uns eigentlich auch den Verweis darauf, dass der Herrschaftsbereich von Hamas und Hisbollah für Frauen und Homosexuelle die Hölle bedeutet.

    was unternimmt die hisbollah denn im libanon in sachen zwangsverschleierung so? http://en.wikipedia.org/wiki/Ideology_of_Hezbollah#Women.E2.80.99s_rights

    kann es sein, dass du dich so detailiert gar nicht auskennst?

  4. 4 asyl 17. April 2010 um 9:06 Uhr

    toller Brief! Übrigens kann Judith Butler sehr gut deutsch.

  5. 5 T.S. 21. April 2010 um 0:05 Uhr

    @ Bigmouth:

    Mag sein, dass die Hisbollah !vergleichweise! fortschrittlich ist in der Frage, aber das heißt doch nix …
    Im Iran dürfen Frauen auch studieren und zur Polizei – teilweise gerade, um die Geschlechtertrennung nur noch besser aufrechterhalten können (weibliche Ärzte und Polizisten für Frauen, männliche für Männer).

    Ich verlinke hier mal ein Hizbollah-Propagandavideo der reihe „Everywoman – Women of Hezbollah“, das einen Einblick in deren „Feminismus“ gibt:

    http://www.youtube.com/watch?v=vFCOFt24LLE

  6. 6 T.S. 21. April 2010 um 0:12 Uhr

    Korrektur: Es handelt sich anscheinend nicht, wie es mir auf den ersten Blick erschien, um ein Hizbollah-Propagandavideo, sondern um eine Al-Jazeehra-Doku. Ich habe mich schon gewundert, warum die Moderatorin nicht verschleiert ist…

  7. 7 eester 20. Juni 2010 um 4:27 Uhr

    wirklich widerlich diese trulla!

  8. 8 UweB 20. Juni 2010 um 17:02 Uhr

    Gut, dass die nicht auch noch von CSD Berlin und Frau Künast (Grüne) mit einem Preis ausgezeichnet wurde – weil Frau Butler selbst einen ***** Miniskandal entfachen musste.

    Wäre eine Schande für den Csd und Berlin geworden.

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