Studentengedanken

Muss man Artikel in Studentenmagazinen kommentieren, wo diese kaum gelesen werden? Muss man, wo die meisten die dort schreiben, nie professionell schreiben werden? Ja, muss man. Weil sich an ihnen ablesen lässt, was heute möglich ist und morgen möglich sein wird. Gute Beispiele dafür liefert das auflagenstärkste bayerische Studimagazin presstige, das mit bunten Bildern, schickem Layout und kurzen hippen Texten aufwartet.

In der Sommerausgabe 2009 führt Kele Shabani vor, was man schreiben kann, ohne, dass der Chefredakteur – den das Blatt immerhin hat – einschreitet oder Leser sich beschweren. In ihrem Artikel klagt sie über die offensichtliche Differenz von Studierenden und deren Selbstcharakterisierung in Internetnetzwerken. Beispielhaft wird ein Jurastudent abgewatscht, der es wagt seine politischen Ansichten als Mitte-Links zu bezeichnen, obwohl er lange bei der JU war. Zudem – und damit sind wir beim Punkt – ist der Besagte ein Freund Israels. Und was machen Freunde Israels? Richtig, sie machen Kritiker mundtot. Und wie machen sie das, nach Meister Walser? Mit der Antisemitismuskeule? Shabani fährt stärkere Geschütze auf: „Auf jeden Kritiker haut er [der Jurastudent] die Antisemitismus-Todeskeule.“ Gelogen ist, dass in Deutschland ausgegrenzt wird, dass einen gesellschaftlichen Tod stirbt, wer Israel kritisiert und als Antisemit bezeichnet wird, wo noch jeder sich vom Vorwurf hierzulande befreien kann, wenn er auf jüdische Freunde oder Juden verweist, die so denken wie er.

Ähnlich unerträglichen Unsinn bringt Wiebke Henke zu Papier, die in ihrem Artikel über die Geschichte Augsburgs zeigen will, wie wichtig Augsburg einmal war. Die Zwischenüberschrift „Von schlauen Köpfen und Bomben“ in der etwas holprig der Übergang von den 1890er Jahren zum 20. Jahrhundert vollzogen wird, lässt erahnen, was kommt, wenn die Phrase von „ der dunkleren neueren Geschichte“ verwandt wird. Wer nun aber denkt, dass abgedroschene Phrasen über den Nationalsozialismus nur schwer zu ertragen sind, der wird hier eines besseren belehrt: „ In unserer schönen Stadt spielte sich auch ein Teil der dunklen neueren Geschichte Deutschlands ab: Augsburg war eine geheime Basis der ersten RAF-Generation“, etc. pp. Dass der NS nicht erwähnt wird, ist geschenkt. Dass „das dunkle Kapitel“ aufgelöst wird in „der dunklen neueren Geschichte, in der nach Belieben alles vom NS bis zum Waldsterben seinen Platz finden und dass Henke gerade die RAF auswählt um der dunklen Geschichte ein Gesicht zu geben, das ist doch eine beachtliche journalistische Leistung; vergleichbar der Erfindung der Antisemitismus-Todeskeule ein paar Seiten vorher.