Archiv für September 2009

Sozialismus macht klein!

Es sind sensationelle Erkenntnisse, die Heiner Rindermann, Professor für Entwicklungspsychologie in Graz, in Merkur 723 (August 2009) erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert:

„Menschen sind in sozialistischen Ländern aber nicht nur weniger intelligent und wissen weniger, sie sind auch durch den geringen Wohlstand deutlich kleiner. Auf gesellschaftlicher Ebene wird damit deutlich: Sozialismus führt nicht nur zu intellektueller Selbstverzwergung, sondern auch zu physischem Kleinwuchs.“

Millionen Menschen, die kleiner sind als 1,70 m fragen sich nun: ist die BRD auf dem Weg in den Sozialismus? Wachse ich, wenn ich morgen die FDP wähle? Oder hilft bereits ein freiwilliger Verzicht auf staatliche Zuschüsse?
Vergessen Sie Einstein, hier ist der intelligenteste Mensch der Welt:

Immer schon gewusst

Was sich vor gut einer Woche an der Münchener S-Bahn-Haltestelle Solln ereignete ist zutiefst verabscheuenswürdig. Jugendliche treten und schlagen einen anderen Fahrgast so brutal, dass dieser an den Folgen stirbt. Und all das nur, weil eben jener Fahrgast sich schützend für einige Kinder einsetzte, die von den Jugendlichen bedroht wurden und beraubt werden sollten. Ein Menschenleben wurde ausgelöscht und das ist allemal ein Anlass zu Trauer.
Was sich nun aber abspielt, ist zutiefst unwürdig. Denn zu jedem gesellschaftlichen Ereignis finden sich einige Menschen, die ihre vorgefertigten immergleichen Platitüden absondern und darüber den Anlass ihrer verbalen Auslassungen völlig aus den Augen verlieren.
In der Zeitung „Die Welt“ darf Mariam Lau für eine intensivere Videoüberwachung des öffentlichen Raumes werben, während die bayerische Justizministerin Beate Merk zum x-ten Male für eine Verschärfung des Jugendstrafrechtes plädiert und dies damit begründet, es ginge „nicht nur um Abschreckung“ sondern auch um „Sühne“ für die Tat. Selbst 20 Kameras am Tatort hätten das Gewaltverbrechen jedoch nicht verhindert und es darf bezweifelt werden, ob die Erwartung einer 15jährigen Haftstrafe die Jugendlichen von jener Tat abgehalten hätte, für die sie eine 10jährige Haftstrafe in Kauf zu nehmen bereit waren. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass während des Mordes die Existenz eines Rechtsstaates für die Täter keinerlei Bedeutung hatte. Und wer in 10 Jahren Haft nicht zu der Einsicht gelangt, seine Tat sei – aus welchen Gründen auch immer, sei es aus Respekt vor dem menschlichen Leben oder aus Angst vor Freiheitsentzug – ein Grund zur Reue, der wird es in den darauf folgenden fünf Jahren wohl ebenfalls nicht tun.
Es geht also bei den Ausführungen der beiden Frauen weder um die konkrete Tat selbst, noch um die Verhinderung einer ähnlich gearteten in der Zukunft. Es geht darum, politische Ziele durchzusetzen, die mit dem Gegenstand ihrer erneuten öffentlichen Erörterung absolut nichts zu tun haben.

Das Paradoxon linker Parteien nach dem Zusammenbruch des real untergegangenen Sozialismus

Liebe arte-Redaktion,

es ist ja wirklich eine interessante Frage, die du in der Ankündigung zum heutigen Themenabend „Wo ist links?“ stellst:

Warum haben 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus linke Parteien immer noch Zulauf?

Aber kann es sein, dass du da irgendetwas falsch verstanden hast? Bezüglich politischer Programme und Systeme?
Wir sind auf jeden Fall schon mal auf deine Antwort gespannt und freuen uns auf den Themenabend „Wo ist rechts?“, wenn es heißt:

Warum haben 64 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus rechte Parteien immer noch Zulauf?

Und noch mehr natürlich auf den Themenabend „Wo ist die Mitte?“, der die Frage behandeln wird:

Warum haben 76 Jahre nach dem Ende der Weimarer Republik bürgerliche Parteien immer noch Zulauf?

Studentengedanken

Muss man Artikel in Studentenmagazinen kommentieren, wo diese kaum gelesen werden? Muss man, wo die meisten die dort schreiben, nie professionell schreiben werden? Ja, muss man. Weil sich an ihnen ablesen lässt, was heute möglich ist und morgen möglich sein wird. Gute Beispiele dafür liefert das auflagenstärkste bayerische Studimagazin presstige, das mit bunten Bildern, schickem Layout und kurzen hippen Texten aufwartet.

In der Sommerausgabe 2009 führt Kele Shabani vor, was man schreiben kann, ohne, dass der Chefredakteur – den das Blatt immerhin hat – einschreitet oder Leser sich beschweren. In ihrem Artikel klagt sie über die offensichtliche Differenz von Studierenden und deren Selbstcharakterisierung in Internetnetzwerken. Beispielhaft wird ein Jurastudent abgewatscht, der es wagt seine politischen Ansichten als Mitte-Links zu bezeichnen, obwohl er lange bei der JU war. Zudem – und damit sind wir beim Punkt – ist der Besagte ein Freund Israels. Und was machen Freunde Israels? Richtig, sie machen Kritiker mundtot. Und wie machen sie das, nach Meister Walser? Mit der Antisemitismuskeule? Shabani fährt stärkere Geschütze auf: „Auf jeden Kritiker haut er [der Jurastudent] die Antisemitismus-Todeskeule.“ Gelogen ist, dass in Deutschland ausgegrenzt wird, dass einen gesellschaftlichen Tod stirbt, wer Israel kritisiert und als Antisemit bezeichnet wird, wo noch jeder sich vom Vorwurf hierzulande befreien kann, wenn er auf jüdische Freunde oder Juden verweist, die so denken wie er.

Ähnlich unerträglichen Unsinn bringt Wiebke Henke zu Papier, die in ihrem Artikel über die Geschichte Augsburgs zeigen will, wie wichtig Augsburg einmal war. Die Zwischenüberschrift „Von schlauen Köpfen und Bomben“ in der etwas holprig der Übergang von den 1890er Jahren zum 20. Jahrhundert vollzogen wird, lässt erahnen, was kommt, wenn die Phrase von „ der dunkleren neueren Geschichte“ verwandt wird. Wer nun aber denkt, dass abgedroschene Phrasen über den Nationalsozialismus nur schwer zu ertragen sind, der wird hier eines besseren belehrt: „ In unserer schönen Stadt spielte sich auch ein Teil der dunklen neueren Geschichte Deutschlands ab: Augsburg war eine geheime Basis der ersten RAF-Generation“, etc. pp. Dass der NS nicht erwähnt wird, ist geschenkt. Dass „das dunkle Kapitel“ aufgelöst wird in „der dunklen neueren Geschichte, in der nach Belieben alles vom NS bis zum Waldsterben seinen Platz finden und dass Henke gerade die RAF auswählt um der dunklen Geschichte ein Gesicht zu geben, das ist doch eine beachtliche journalistische Leistung; vergleichbar der Erfindung der Antisemitismus-Todeskeule ein paar Seiten vorher.