Archiv für Juni 2009

Steckt die Schufa hinter dem Mullah-Regime?

Wenn man der Werbung bei googlemail Glauben schenken darf wohl schon:

CyberWar gegen das Mullah-Regime

Helft alle mit, die wichtigsten Websites des iranischen Mullah-Regimes lahmzulegen und die islamistische Propaganda zu unterbinden! An dieser Stelle sei auch auf einen guten Artikel von Cosmoproletarian Solidarity hingewiesen.

Hier die ausführliche Liste aller zu attackierenden Websites sowie eine abgespeckte one click Version mit 10 der wichtigsten Websites für die fauleren unter euch.

The Best Episode So Far

Ahmed & Salim Episode 7

Österreichische Momente.

Am Westbahnhof in Wien werde ich von Plakaten der FPÖ begrüßt, die den „Tag der Abrechnung“, also die Europawahl, ankündigen. Die Slogans der FPÖ: „Volksvertreter statt EU-Verräter“, „Lieber Volkswärme als EU der Konzerne“, „Weil´s die EU nur so kapiert“. Auf der Wahlkampfveranstaltung der FPÖ lässt der Parteivorsitzende H.C. Strache seine Zuhörer wissen, dass die FPÖ Opfer von „Heimatnestbeschmutzern“ und böswilligen Medien ist und konstatiert ein Naziproblem, „ein rotes Naziproblem“.

Sein Parteifreund Martin Graf ist in der Burschenschaft Olympia politisch sozialisiert und assoziiert und mittlerweile dritter Nationalratspräsident. Den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Wiens, Ariel Muzikant, nennt Graf „Ziehvater des Linksterrorismus“.

Eine Comicbroschüre der FPÖ zur Europawahl erklärt ihren Zweck: „Das vorliegende Heft ist keine Parteiwerbung. Keine EU-Propagandaschrift. Und auch keine öde Belehrung über die Europäische Union. Also keine ausgemacht Brüsselei! Worum geht es dann? Um politische Bildung und Info, die nicht langweilig ist.“ In dem Comic kämpft ein blauer HC Stra-Che gegen Außerirdische, die dem blauen Planeten und seinen Bewohnern an der Kragen wollen.: „Unsere Freiheit, unser Geld, unser Wasser… Einfach alles, was uns lieb und teuer ist. Die kriegen ihr Maul wohl nie voll“, sagt Stra-Ches vollbusige Mitkämpferin über die Außerirdischen.

Der Besitzer des Thai-Restaurants Bhung Bui (Burggasse 44, 1070 Wien), der aussieht wie ein autochthoner Wiener und meine gebratenen Nudeln mit Gabel und Löffel serviert entgegnet auf meine Bitte nach Stäbchen: „Die gibt’s da net, die ham a Kultur, net wie die Chinesen“. Es bleibt zu vermuten, dass dort wo er in Thailand absteigt, tatsächlich nur Gabel und Löffel ausgegeben werden.

Auf der Fahrt zurück kontrolliert mich ein bayerischer Polizist im Rahmen der Schleierfahndung. Eine Mitreisende will wissen, was denn mit ihre geschehen würde, wenn sie ihren Pass vergessen hätte. Bei ihr, meint der Polizist, würde er nicht gleich eine erkennungsdienstliche Behandlung machen, aber bei einem großen Schwarzen sei das was anderes. Man bräuchte sich ja keine Illusionen machen, dass an der Grenze der EU die Bösen Halt machen würden und nur die Guten reinkämen.

So groß ist der kulturelle Unterschied zwischen Bayern und Österreich dann doch nicht.

Profil,

du giltst als einflussreichstes österreichisches Politmagazin und Pendant zum SPIEGEL. Leider entspricht die Geisteshaltung, um nicht zu sagen: das Weltbild deiner Redakteure dem des großen Bruders. In deiner aktuelle Ausgabe (24/2009) findet sich ein Artikel in dem deine Redakteure Hoffmann-Ostenhof und Gunther Müller mit zehn Argumenten erklären „warum sich die Welt nicht von Teheran bedroht fühlen muss“, wieso also u.a. Österreich, Burkina Faso und Ägypten „keine Angst vor den Persern“ haben müssen.

Was auf den fünf Seiten plus Bilder folgt ist eine Aneinanderreihung von Blödheiten, die mir beim Lesen vor lauter Scham die Röte ins Gesicht trieben. „Wieder“, beginnt der großartige Artikel, „wandelt Mahmud Ahmadinejad auf den Spuren von David Irving. Der iranische Präsident kann es nicht lassen“. So oft wurde er schon ermahnt seine Popel nicht unter den Tisch zu schmieren, irgendwann muss Schluss sein. Jetzt gibt’s Tatzen! Fehlanzeige, das Profil ist antiautoritär und hat Verständnis, auch für die Israelis, weil die sich bedroht fühlen. Keine Wunder, „vor dem Hintergrund der Shoa-Erfahrung der Juden“.

Gegen jede Logik erklärst du anschließend zuerst warum der Iran keine Bombe will (Argument 1), es „nicht unverständlich“ wäre „selbst wenn der Iran eine Bombe bauen würde“ (Argument 2), um fortzufahren, dass „die persische Bombe … noch lange nicht da“ ist (Argument 3). Weiter geht’s mit Punkt 4, indem du erklärst dass der „ Iran … traditionell keine Angreifernation“ ist um mit dem Verweis zu schließen, dass die mehr oder weniger friedliche Geschichte des Iran keine Garantie für die Friedfertigkeit der Mullahs ist. „Der Iran ist berechenbar“, lautet die nächste These, die du scharfsinnig damit belegst, dass der Iran zu taktischem Handeln in der Lage ist und dessen Repräsentanten „satte Konten auf Dubai oder in der Schweiz haben“.

Unter Punkt sechs kommst du dann doch auch noch auf Israel: „Israel ist nicht in Gefahr“. Weil diese These im Angesicht der Vernichtungsdrohungen und der aktiven Kriegsführung des Iran gegen Israel via Hamas und Hizbollah noch unsinniger ist als der Rest, ist deine Beweisführung besonders ausgefuchst: „Die im Jahr 2006 eröffnete Ausstellung mit Karikaturen zum Holocaust [gemeint sind die Karikaturen die den Holocaust leugnen – Anmerkung d. Autors] … war schlecht besucht“, lautet dein Argument.

Von den restlichen vier Argumenten, die u.a. belegten dass der Iran keine Diktatur (Argument 8) ist, und eine hochentwickelte Gesellschaft hat (was auch immer damit über die Bedrohung die vom Iran ausgeht gesagt sein soll), lohnt ein Blick auf Argument 9: „Die Frauen werden furchtbar unterdrückt, jetzt sind sie aber im Kommen“. Neben dem Verweis auf die hohe Anzahl der weiblichen Studierenden, die nur zeigt, dass du den Islamismus nicht als modernes Phänomen und Unterdrückung sondern nur als Verbannung der Frau in die Privatsphäre begreifen kannst, findet sich ein Satz, der deinen Artikel als das Machwerk von Analphabeten ausweist, das er ist: „Mädchen dürfen bereits mit neuen Jahren heiraten“. Das hätte der Beleg für das 11 Argument werden können: „Der Iran ist liberaler als viele westliche Gesellschaften“.