Selbsterkenntnis, spottet ein deutsches Sprichwort, ist der erste Schritt zur Besserung. Sie wäre es, wenn die Erkenntnis des Ich mit der von Gesellschaft vermittelt wäre. Ist er das nicht, leitet die Selbstkritik keine Reflexion ein, sondern eine Offensive.
In diesem Zusammenhang trieb die Suche nach den Schuldigen der Wirtschaftskrise gar wunderliche Blüten. Neben den bekannte Ursachen der Krise, dem Antisemiten der Jud, dem Konservativen der Verlust moralischen Handelns, dem Liberalen ein Zuviel an Staat (vor der Krise) bzw. ein Zuwenig (in der Krise), den Sodanns die Ackermanns, wussten alle, dass die Experten der Presse – der vierten Macht im Staat – versagt hatten. Sind Leute die sich beruflich mit Ökonomie beschäftigen und eine Krise erst dann erkennen, wenn BMW seine Mitarbeiter für 5 Wochen auf Zwangsurlaub schickt, nicht überflüssig wie ein Kropf?
Nein, wirft der Communist hier ein. Sie sind wichtig um die Modernisierung des Kapitalismus voranzutreiben, den Kapitalismus gegen Communismus und Turbokapitalismus in Schutz zu nehmen, denen eine Meinungen zu geben die keine haben, und denen die eine haben, diese zu bestätigen, kurz: für die Ideologieproduktion.
„Ja“ hingegen dachte es nicht nur in den Köpfen der Wirtschaftsjournalisten. „Irgendwie ist die Frage schon gerechtfertigt“. Und so (oder ganz anders) kam es, dass Rainer Hank, Leiter des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeine Zeitung, sich und seinen Berufsstandstand denunzierte, als wollte er zum Märtyrer des Kapitalismus werden, wo er doch nur dessen Wackeldackel (Gremliza) ist.
„Wir“ – so Hank in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28. Dezember 2008 über sich und die Seinen -
„taugen weder als kleine Wirtschaftspolitiker noch als bessere Unternehmenslenker und schon gar nicht als verkappte Fondsmanager. Und wir sind grandiose Nachplapperer dessen, was gerade en vogue ist. (…). Man mag sich scheuen Medienleute überhaupt zu den Intellektuellen zu zählen. Aber sie sind zumindest darin einander verwandt, dass sie nachher, immer schon alles vorher gewusst haben. Heute geben wir uns sogar noch ein bisschen bußfertig und verzagt. Mehr noch: Als die Preise (für Kredite, Aktien und vieles andere) stiegen, wussten wir Wirtschaftsjournalisten, dass die Preise steigen. Seit die Kurse fallen, wissen wir dass sie fallen. Sage keiner, wir seien nicht bei der Herde gewesen, im Rausch euphorisch und in der Depression apokalyptisch. Prozyklisch nennt man das gerne: einer quatscht dem anderen nach. (…) Tröstlich ist allenfalls, dass wir und in unserer Ahnungslosigkeit in bester Gesellschaft befinden…“
tröstet Hank sich, um anschließend, wie ein Herdentier, sozusagen prozyklisch und ahnungslos, nachzuplappern was VWL-Professoren, Wirtschaftsweise und andere Leute die keine Ahnung von der Kritik der politischen Ökonomie haben, als den Grundwiderspruch des Kapitalismus begreifen:“
[D]er Markt schafft Wohlstand für alle, verteilt ihn aber nicht gleichmäßig an jedermann“.
Bitte den letzten Satz jetzt noch mal lesen und nach belieben abschreiben und einrahmen. Nun aber weiter im Text: Wenn die Krise allerdings dazu führt, dass die Hanks ihren Käse in den Feuilleton schreiben müssen und wie in der Ausgabe der FAZ vom 28.12, an Stelle des Leitartikels im Wirtschaftsteil der Nachdruck der Glosse Nationalökonomie von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1931 unter Auslassung der antisemitischen Passagen steht, dann ist die Welt durch die Krise zwar nicht dem Communismus näher gekommen, aber doch ein bisschen besser geworden, oder? Nein? Was, es gibt kein richtiges Leben im falschen? Verdammt!
Literaturtipp: Rainer Hank – Das Ende der Gleichheit oder Warum der Kapitalismus mehr Wettbewerb braucht; S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2000
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