Archiv für November 2008

Nationalbolschewistischer Konsens

Überraschen sollte der Ausschluss des ça ira-Verlages von der Linken Literaturmesse in Nürnberg niemanden, denn jeder denkende Mensch sollte mittlerweile verstanden haben, dass die deutsche Linke und ganz besonders jene in Nürnberg keine Ansprechpartnerin für emanzipatorische Gedanken ist. Ein Lehstück über den Zustand der linksnationalen Volksliebhaber ist der ganze Vorgang dennoch.
Nachdem die Stellungnahme von ag kritische theorie und ISF bereits verbreitet wurde (z.B. hier und hier) verweisen wir an dieser Stelle auf ein Interview des Freien Sender Kombinats aus Hamburg mit Joachim Bruhn und einem Vertreter des ag kritische Theorie zum Geschehen vom vorletzten Wochenende.

Zitat 11

„Auch der Satz: ‚Ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen‘ stieß auf klare Ablehnung.“
(Heißt das nun, liebe Verfasser der Studie und liebe Süddeutsche, dass man Hitler auch mit Judenvernichtung als großen Staatsmann ansehen sollte oder doch dass Hitler auch ohne Judenvernichtung als kleiner Staatsmann angesehen wird? Was hat Größe mit Staatspolitik zu tun? Und warum kann man von der Aussage, Hitler sei ein großer Staatsmann gewesen auf Antisemitismus, Rassismus und Nationalchauvinismus schließen? Fragen über Fragen…)

Freiheiten und Eigenheiten

Überraschend war er nicht, der Aufschrei der durch die Presse ging, als bekanntgegeben wurde, dass Christian Klar im kommenden Jahr freikommen würde, hatte man fast alle Argumente doch bereits letztes Jahr in der Diskussion um eine Begnadigung des ehemaligen RAF-Mörders schon einmal gehört. Mehr Sinn konnte ihnen allerdings auch eine Wiederholung nicht verleihen.
Während die einen das Geschehen als Sieg des Rechtsstaates und Ausdruck der Überlegenheit des bestehenden Systems über alle anderen, vor allem jedoch jenes, das Klar und seine Genossinnen und Genossen erkämpfen wollten, feierten und damit trotz aller Überbewertung des nationalbolschewistischen Junge Welt-Gastautors immerhin erkannten, dass direkte Demokratie und Volksherrschaft im Deutschland der bestehenden Denkformen ein Höchstmaß an Grausamkeit und Unmenschlichkeit bedeuten würden, traten die anderen sofort den Beweis eben dieser These an. Von einem „fatalen Zeichen im Umgang mit der Vergangenheit“ war da die Rede und von der fehlenden Reue des Inhaftierten, als sei das deutsche Recht tatsächlich nur und ausschließlich Gesinnungsstrafrecht und als habe das deutsche Mordkollektiv im Zeichen der RAF und nicht in dem des Nationalsozialismus zu sich selbst gefunden.
Wenn deutsche Behörden und Gerichte jahrelang Prozesse gegen Iwan Nikolajewitsch Demjanjuk und andere mögliche NS-KriegsverbrecherInnen verschleppen und verhindern, die für den Tod von weitaus mehr Menschen veranwortlich sind als jene verwirrten APO-Abspaltungen des linksdeutschen Terrors, schweigt die deutsche Öffentlichkeit ebenso wie bei Vernichtungsdrohungen des iranischen Mullah-Regimes gegen Israel, die Entlassung eines verblendeten Ex-FDPlers aber erweckt den vollen Volkszorn, weil dessen Opfer eben „echte Deutsche“ waren, Repräsentanten einer Gesellschaft, die 1945 keineswegs eine „Stunde Null“ erlebte und deren zivilisatorische Mindeststandards nur durch den Zwang der Alliierten erreicht wurden.
Nun werden wohl beide, Demjanjuk und Klar den Rest ihres Lebens außerhalb der Gefängnisse verbringen, während der eine der beiden aber seine gesetzlich geregelte Strafe abgesessen hat wurde der andere nie verurteilt.
Sympathien verdienen sie beide nicht, das allerdings ist kein Hinderungsgrund für die Feststellung, dass zumindest im Falle Klars seine Feinde um keinen Deut besser sind als er selbst.

Arroganz als Lebenshaltung

Kulla postete gestern ein Video, das hier bereits vier Monate früher erschien…
Mit dieser Meldung produzieren wir einige RefererInnen-Klicks als Dank für die zahlreichen Verlinkungen unseres Blogs durch Kulla und erbringen wieder einmal einen Beweis für die Selbstreferenzialität und Hirnlosigkeit bei gleichzeitig gegebenem enorm hohem Unterhaltungspotenziel der Blogosphäre.
Zugleich erbringen wir hiermit einen Hinweis auf einen sich noch in der Frühphase befindenden Blog, der gut zu werden verspricht.

In guter Gesellschaft…

Es gibt ja bekanntlich verdammt viele Wikipedia-Doubles, z.B. „Anarchopedia“ ,“Kamelopedia“ oder auch „Jedipedia“. Jetzt gibt es anscheinend ein neues Projekt namens „Metapedia“. Diese Seite fällt zuerst einmal durch einen widerlichen Antisemitismus und zum Teil amüsante Formulierungen wie „Swinemünde ist eine deutsche Stadt, die seit 1945 unter polnischer Herschafft(sic!) steht. Die Polen gaben ihr den vorübergehenden Namen ‚Świnoujście‘“. Aber genauso wie im echten Wikipedia gibt es auch hier wieder tolle Listen, wie z.B. die „Liste der jüdischen Persönlichkeiten“, „Liste der germanischen Stämme“ oder eben die „Liste deutscher Musikgruppen“.