Oink!

Joachim Bruhn hat an anderer Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass die bürgerliche Öffentlichkeit sich einerseits gegen die Identifikation von Mensch und Tier verwehrt und schnell mit dem Verweis auf die entmenschlichende Rhetorik und Praxis des Nationalsozialismus bei der Hand ist, wenn es darum geht die bürgerlichen Verhältnisse zu verteidigen, anderseits beständig selbst zu tierischen Metaphern greift:

Wie kann es sein, daß die bürgerliche Öffentlichkeit, in Form der Welt am Sonntag etwa, das himmelschreiend Perverse der RAF einerseits darin findet, daß sie Menschen als “Schweine” bezeichnete, d.h. “den Funktionsträgern des ‚Systems’ das Menschsein abgesprochen hatte” – während sie andrerseits, wenige Seiten später im Wirtschaftsteil der gleichen Ausgabe, ein Portrait der VW-Maske Piëch unter der Schlagzeile “Der geborene Keiler” druckt und berichtet, der heiße sich puterstolz selbst ein “Wildschwein” und habe sich der “Abwehr von Freßfeinden” verschrieben.

In der FAZ vom 5. Januar wurde diesem Widerspruch ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Dort werden wohlwollend der Biologe Patrick van Veen und dessen Affenmanagement für Führungskräfte vorgestellt. Van Veen weiß: „Denn wir sind ja nicht nur Menschen, sondern auch Affen“. Auch? Wie jetzt? „Mehr als 98 Prozent unseres genetischen Materials teilen wir mit unseren engsten Verwandten, den Schimpansen“. „So gesehen“, ergänzt Reiner Burger, der Redakteur, der diesen Beitrag verbrochen hat, „sei es also verständlich, dass es am Arbeitsplatz oft zugeht wie in einer Affenhorde“. Ach so.

Van Veen ist „verblüfft von den vielen Parallelen zur Affenwelt: Koalitionsbildung, Täuschung, Lügen“. Können Affen lügen? Oder meint er damit seine Kollegen. Vor allem: was soll das Ganze? „Van Veen will Managern den Spiegel vorhalten.“ Eine tolle Metapher. Und was sehen die Manager dort? Im Idealfall: einen Silberrückengorilla. Einen Silberrückengorilla? Ja, einen Silberrückengorilla. Aber warum denn einen Silberrückengorilla? „Silberrückengorillas [sind] starke Führungspersönlichkeiten (…) – je dominanter ein Silberrücken, desto ruhiger die Gruppe. (…) Übernimmt ein Silberrücken die Führungsrolle in einer Gruppe, tötet er die von seinen Vorgängern gezeugten Jungen.“ So sieht es aus, das in Management-Seminaren und FAZ-Titelstories angepriesene Ideal: stark, ruhig, mörderisch. Soweit, so altbekannt. Und doch bleibt eine Frage: Was heißt das für das Schweinesystems ?

Die Band, die zwinkert.

Es gibt die Unsitte auf Konzerten Titel von Songs Richtung Bühne zu brüllen in der Hoffnung, die Band möge das geforderte Lied spielen. Markus Wiebusch, der Sänger der Hamburger Punkband but alive…, hatte eine kurze und prägnante Antwort auf solcherlei Forderungen: „Wir sind nicht Dieter Thomas Heck und das hier ist kein Wunschkonzert“.

But alive… sind Geschichte. Wiebuschs neue Band heißt Kettcar. Ihre Lieder laufen im Radio, die Band spielt in ausverkauften Hallen, vielleicht bald in Stadien. In der F.A.Z. vom 7. November 2009 bescheinigt Eric Pfeil den Hamburgern „Zuhause-Musik“ zu spielen „ in der man sich einnisten kann. (…) Wohlfühlmusik für Menschen, die am modernen Unwohlsein leiden“. Das ist, wie so vieles in der F.A.Z., schön und auf den Punkt formuliert. Und nicht trotzdem, sondern deshalb die Bitte an Kettcar: Löst euch auf. Ihr kotzt mich an.

Nichts was Wiebusch und seine Bandkollegen von sich geben ist so gemeint. Keine Pose, die nicht sofort als Zitat kenntlich gemacht wird: Keine Gitarre, die in die Luft geschmissen wird, ohne, dass das Zwinkern des Gitarristen verrät: Wie die Rockstars, da kuckt ihr! Keine Ansage, die nicht schon bevor sie gemacht ist, gegen Kritik sich imprägniert. Beim Konzert in Wien 2008 meinte Wiebusch: „Und bitte, ich weiss schon jetzt, dass ich mich dafür hasse. Aber, man muss nicht Wanneeee-Eickellllll grölen“ – und imitiert die Art in der Fussballfans Lieder intonieren, um fortzufahren: „Aber, ich will euch nichts vorschreiben… wie gesagt, macht was ihr wollt“. In Köln, schreibt Eric Pfeil, hatte die Band um Abendgarderobe gebeten, und verwies dann während des Konzerts darauf, dass das eigentlich ein Witz gewesen sei.

Kettcar sind die Lieblingsband von Studenten, weil diese bei Kettcar sich wiederfinden: Sie sind mit keiner Kritik zu treffen, weil alles schon reflektiert ist: Jede Geste, jede (Gefühls-)Äußerung, jede Textzeile. Kettcar sind die Band der reflexiven, illusionslosen Konformisten. Wo but alive… ihrem Publikum den Mittelfinger zeigten, bemühen Kettcar eine andere Geste: Sie zwinkern.

Rossmanns Jünger. Ein Bericht über eine Veranstaltung in der Bundesagentur für Arbeit.

Herzlich Willkommen zur Werbeveranstaltung der Firma Dirk Rossmann !

Das Herz und das Smile vom Flipchart ziehen die Blicke an. Der freundliche Herr vom Arbeitsamt schlägt den Versammelten nach der Begrüßung vor, dass Jede, die kein Interesse hätte, jetzt auch noch gehen könne. Zweimal wiederholt er dies, damit es auch Jede versteht und Rossmanns Jünger begreifen: Hier sitzen ausschließlich hoch motivierte Damen im Raum!
Wir – das sind 23 Frauen und 1 Mann, ( leider erschienen nur so wenige – am Vormittag waren es immerhin 40, und auf den beiden Veranstaltungen in München gestern deutlich mehr) wurden vom Arbeitsamt zu einer Informationsveranstaltung der Firma Rossmann eingeladen. Die „Einladung“ mahnt, dass wer sich nicht bei Rossmann bewirbt, mit mindestens 3 Wochen, evt. bis zu 12 Wochen Sperrzeit zu rechnen hat.

Auf etwa 40 Stühlen liegt Werbematerial der Firma Rossmann inklusive Mitarbeiterzeitung, die beiden Herren aus dem hohen Norden stellen sich vor, und wollen gleich wissen, wer Rossmann denn kenne, und was Rossmann denn sei: Welche Erfahrungen haben sie denn mit Rossmann ? Was kaufen Sie denn bei Rossmann ein ? Was bekommen Sie denn bei Rossmann als Erstes, wenn sie das Geschäft betreten, was steht denn da ?

Das Gefühl schleicht sich ein, in einer Kindergartenveranstaltung zu sitzen. Dennoch überschlagen sich einige anwesende Damen mit ihren Wortmeldungen. Jetzt fehlt nur noch, dass eine ihr eben bei Rossmann erworbenes Duschgel aus der Tasche zieht und vorzeigt !
„Steigen wir doch mit einem Filmchen ein“, tönt es im selben Stil aus dem Mund des älteren Herrn mit Krawatte. Das Filmchen ist ein Beitrag einer „Plus minus“ Sendung, in der Drogeriemärkte verglichen werden. Rossmann schneidet recht ordentlich ab, zumal sich Herr Rossmann gerne zum Gespräch bereit erklärt, und „Herr Schlecker“ dies verweigert.
Auf diesem Wege erfahren wir dann auch, dass bei Rossmann 100 Blatt des Toilettenpapier der Hausmarke für 9 Cent zu bekommen sind – bei der Konkurrenz muss man dafür bis zu 12 Cent berappen !

Nach der Werbesendung darf auch der Komparse etwas sagen, er hat sich doch so bemüht, gut anzukommen, in Trachtenjeans und kariertem Hemd. „Was glauben sie denn“ fragt er in einem Tonfall, in dem man Kindergartenkinder fragt ob sie bei bösen Männern ins Auto einsteigen dürfen, „welche Eigenschaften braucht man als Mitarbeiter der Firma Rossmann ?“
Am Flipchart schreibt er genauso fleißig mit, wie die Damen sich zu Wort melden. Da stehen flugs Werte wie: gepflegtes Aussehen, Pünktlichkeit, ehrlich, flexibel etc. Damit es Jede versteht, macht der Wahlbayer sich auch nicht die Mühe, Verben zu Substantiven umzuformulieren. Eine notwendige Voraussetzung für eine eventuelle Einstellung bei Rossmann ist ein Hauptschulabschluss. Welchen Abschluss hat wohl der Krawattenträger frage ich mich, als er sich hervortut: „Jetzt drück ich mich mal verbal aus. Was tun Sie, wenn die Kunden bescheißen?“

Immer engagierter putscht der Karierte seine zukünftigen Arbeiterinnen auf, notwendige Eigenschaften einer zukünftigen Mitarbeiterin zu nennen. Nicht ohne von seinem Kollegen des Öfteren wieder unterbrochen zu werden. Der hat noch einiges über den großen Chef zu erzählen:
Da kann es einem nämlich durchaus als Mitarbeiterin passieren, dass ein Herr in légèrer Cordhose und offenem Hemd den Laden betritt, man nach dem Namen gefragt wird, und sich besagter Herr dann als Herr Dirk Rossmann zu erkennen gibt! Kontakt mit einem Helden ! Ja, da gibt es noch bessere Geschichten zu erzählen, nämlich, dass Herr Rossmann schon mal in einem Münchner Markt, bei dem er sich mal so zeigen wollte, einen ganzen Tag höchstpersönlich mit angepackt hat, weil einige Leute fehlten.

Und nicht dass wir denken, dass unsere beiden Informanten nur erzählen würden, auch sie haben schon mit angepackt. Der ältere der beiden, besagter Krawattenträger mit deutlichem Bauchansatz, tut uns kund, dass er zwar zweimal die Woche ins Fitness Studio ginge, nach dieser schweren Arbeit aber keines mehr benötigte. „Alle Achtung vor den Frauen, die schon seit Jahren bei Rossmann Ware verstauen“! Sitzt deshalb nur ein Mann im Publikum ?

Danach werden die gesammelten Werte nochmals abgearbeitet, ausführliches Lamento über Teamfähigkeit, die Notwendigkeit zur Hilfsbereitschaft, die Verpflichtung jederzeit einzuspringen. Und da Weinflaschen die Angewohnheit haben, Staub anzusetzen, sollte man auch bereit sein, diese mal abzustauben. Wir profitieren nämlich auch davon, wenn eine Weinflasche nicht aussortiert werden muss, sondern noch verkauft werden kann ! Wir bekommen nämlich von Herrn Rossmann Geld bezahlt ! Beim Punkt „gepflegtes Auftreten“ meint besagter Herr, er würde erwarten, dass die Mitarbeiterinnen Rossmann-Produkte einkaufen, und diese auch täglich anwenden. Schließlich: „Sie sind Rossmann“ ! Ob wir dann auch wie Dirk Rossmann verdienen ?

Für mich ist der wichtigste Punkt Ehrlichkeit, fällt der „Chef“ seinem Begleiter ins Wort. Man muss an der Kasse schon seinen Popo heben, um zu sehen, was evtl. noch im Einkaufswagen liegt. Wenn dann die Dame an der Kasse ihren Popo nicht hochkriegt……- keine Frage, dieses Wort und der dazugehörige Gedanke, gefallen ihm !
„Wir machen ‚Aufmerksamkeitseinkäufe‘, und dann muss man schon aufstehen, wie bei Kaufland zu beobachten, um evtl. Verstecktes im Wagen zu entdecken.“
Nach einer guten Stunde sind die anwesenden Damen deutlich spürbar aufgeheizt, der Gedanke, die Beste für diesen anspruchsvollen Job zu sein, spukt wohl in so manchem Kopf.

Das Zuckerle hatte sich Herr Wichtig dann auch bis zum Ende aufgehoben: jetzt wollen sie sicher noch wissen, was sie verdienen. Wir lehnen uns an den Tarifvertrag des Einzelhandels an, da der neue aber noch nicht ausgehandelt ist, lässt Herr Rossmann seine Mitarbeiter nicht länger warten und hat großherzig gesagt: „meine Mitarbeiter bekommen ab dem 1. 1. 2008 alle um 2,5 % mehr“. Was ein toller Chef. Und es kommt noch dicker. Herr Rossmann hat im vergangen Jahr festgestellt, dass alles teurer wird, sogar die Milchprodukte, und da dies ja die Wenigverdiener am meisten trifft, bekamen alle geringfügig Beschäftigten im Oktober eine Einmalzahlung von 100 Euro. Außerdem sind bei der Firma Rossmann sage und schreibe 4 Damen das ganze Jahr über ausschließlich damit beschäftigt, an alle Mitarbeiter/innen einen 36 Euro Warengutschein zum Geburtstag zu verschicken! Nach der Aufzählung sämtlicher sozialer Leistungen, dem Hinweis auf einen hoch engagierten Betriebsrat und der Mitarbeit eines Frauenbeauftragten blieb dann doch der letzten Anwesenden die Spucke weg.

Eine Veranstaltung, an Infantilität kaum zu überbieten. Oder doch ? Ja ! Bereits zu Beginn wurden wir aufgefordert, unsere Bewerbungsmappen einfach auf unseren Stühlen liegen zu lassen, allerdings sahen sich am Ende die Damen doch genötigt vor dem Oberjünger Schlange zu stehen, um sich persönlich anzubiedern – wurden doch auch leitende Positionen in Aussicht gestellt!

Im Schwitzkasten

Ernst Piper!
Einen tolle Einleitung hast du dir bzw. hat sich ein Redakteur von Spiegelonline für deinen Artikel zu Georg Elser ausgedacht:

Ein Möbeltischler, der seinen Job aufgab, um Hitler zu töten, hätte die Deutschen vor 70 Jahren um ein Haar vor der Katastrophe bewahrt. Ach so, die Deutschen. Und wir dachten: die Juden, Roma, Sinti, 20 Millionen Sowjetbürger und noch ein paar Millionen andere, die Opfer der Deutschen wurden.

Doch Hitler entkam, Georg Elser wurde hingerichtet – und nach 1945 gar von Widerständlern diffamiert.
Sogar! Als wäre im Nachkriegsdeutschland nicht alle, die sich nicht in der ein (Mord) oder anderen (Beihilfe) Weise für Deutschland verdient gemacht haben, diffamiert worden, weil sie Widerstand geleistet haben (Elser und ein paar Kommunisten die bisher verschont blieben) oder nicht mitmachen wollten (Exilierte). Also alle, die den Deutschen vor Augen hielten, dass man nicht mitmachen musste, wenn man nicht wollte und es Freiräume gab, die nutze, wer sie nutzen wollte.

Erst langsam setzt sich durch: Elser war ein großer Deutscher.
Erst werden die Juden so sehr gedrückt, dass man nicht sagen kann, ob das nun Zuneigung ist oder schon ein Schwitzkasten. Und jetzt ist der Widerstand dran. Erst die Reformnazis um Staufenberg, jetzt der Einzelgänger Elser. Wäre Elser noch am Leben, er würde sich wehren gegen die Diffamierung, ein großer Deutscher zu sein. Vielleicht mit Bomben. Wer weiss?

Sozialismus macht klein!

Es sind sensationelle Erkenntnisse, die Heiner Rindermann, Professor für Entwicklungspsychologie in Graz, in Merkur 723 (August 2009) erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert:

„Menschen sind in sozialistischen Ländern aber nicht nur weniger intelligent und wissen weniger, sie sind auch durch den geringen Wohlstand deutlich kleiner. Auf gesellschaftlicher Ebene wird damit deutlich: Sozialismus führt nicht nur zu intellektueller Selbstverzwergung, sondern auch zu physischem Kleinwuchs.“

Millionen Menschen, die kleiner sind als 1,70 m fragen sich nun: ist die BRD auf dem Weg in den Sozialismus? Wachse ich, wenn ich morgen die FDP wähle? Oder hilft bereits ein freiwilliger Verzicht auf staatliche Zuschüsse?
Vergessen Sie Einstein, hier ist der intelligenteste Mensch der Welt:


Immer schon gewusst

Was sich vor gut einer Woche an der Münchener S-Bahn-Haltestelle Solln ereignete ist zutiefst verabscheuenswürdig. Jugendliche treten und schlagen einen anderen Fahrgast so brutal, dass dieser an den Folgen stirbt. Und all das nur, weil eben jener Fahrgast sich schützend für einige Kinder einsetzte, die von den Jugendlichen bedroht wurden und beraubt werden sollten. Ein Menschenleben wurde ausgelöscht und das ist allemal ein Anlass zu Trauer.
Was sich nun aber abspielt, ist zutiefst unwürdig. Denn zu jedem gesellschaftlichen Ereignis finden sich einige Menschen, die ihre vorgefertigten immergleichen Platitüden absondern und darüber den Anlass ihrer verbalen Auslassungen völlig aus den Augen verlieren.
In der Zeitung „Die Welt“ darf Mariam Lau für eine intensivere Videoüberwachung des öffentlichen Raumes werben, während die bayerische Justizministerin Beate Merk zum x-ten Male für eine Verschärfung des Jugendstrafrechtes plädiert und dies damit begründet, es ginge „nicht nur um Abschreckung“ sondern auch um „Sühne“ für die Tat. Selbst 20 Kameras am Tatort hätten das Gewaltverbrechen jedoch nicht verhindert und es darf bezweifelt werden, ob die Erwartung einer 15jährigen Haftstrafe die Jugendlichen von jener Tat abgehalten hätte, für die sie eine 10jährige Haftstrafe in Kauf zu nehmen bereit waren. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass während des Mordes die Existenz eines Rechtsstaates für die Täter keinerlei Bedeutung hatte. Und wer in 10 Jahren Haft nicht zu der Einsicht gelangt, seine Tat sei – aus welchen Gründen auch immer, sei es aus Respekt vor dem menschlichen Leben oder aus Angst vor Freiheitsentzug – ein Grund zur Reue, der wird es in den darauf folgenden fünf Jahren wohl ebenfalls nicht tun.
Es geht also bei den Ausführungen der beiden Frauen weder um die konkrete Tat selbst, noch um die Verhinderung einer ähnlich gearteten in der Zukunft. Es geht darum, politische Ziele durchzusetzen, die mit dem Gegenstand ihrer erneuten öffentlichen Erörterung absolut nichts zu tun haben.

Das Paradoxon linker Parteien nach dem Zusammenbruch des real untergegangenen Sozialismus

Liebe arte-Redaktion,

es ist ja wirklich eine interessante Frage, die du in der Ankündigung zum heutigen Themenabend „Wo ist links?“ stellst:

Warum haben 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus linke Parteien immer noch Zulauf?

Aber kann es sein, dass du da irgendetwas falsch verstanden hast? Bezüglich politischer Programme und Systeme?
Wir sind auf jeden Fall schon mal auf deine Antwort gespannt und freuen uns auf den Themenabend „Wo ist rechts?“, wenn es heißt:

Warum haben 64 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus rechte Parteien immer noch Zulauf?

Und noch mehr natürlich auf den Themenabend „Wo ist die Mitte?“, der die Frage behandeln wird:

Warum haben 76 Jahre nach dem Ende der Weimarer Republik bürgerliche Parteien immer noch Zulauf?

Studentengedanken

Muss man Artikel in Studentenmagazinen kommentieren, wo diese kaum gelesen werden? Muss man, wo die meisten die dort schreiben, nie professionell schreiben werden? Ja, muss man. Weil sich an ihnen ablesen lässt, was heute möglich ist und morgen möglich sein wird. Gute Beispiele dafür liefert das auflagenstärkste bayerische Studimagazin presstige, das mit bunten Bildern, schickem Layout und kurzen hippen Texten aufwartet.

In der Sommerausgabe 2009 führt Kele Shabani vor, was man schreiben kann, ohne, dass der Chefredakteur – den das Blatt immerhin hat – einschreitet oder Leser sich beschweren. In ihrem Artikel klagt sie über die offensichtliche Differenz von Studierenden und deren Selbstcharakterisierung in Internetnetzwerken. Beispielhaft wird ein Jurastudent abgewatscht, der es wagt seine politischen Ansichten als Mitte-Links zu bezeichnen, obwohl er lange bei der JU war. Zudem – und damit sind wir beim Punkt – ist der Besagte ein Freund Israels. Und was machen Freunde Israels? Richtig, sie machen Kritiker mundtot. Und wie machen sie das, nach Meister Walser? Mit der Antisemitismuskeule? Shabani fährt stärkere Geschütze auf: „Auf jeden Kritiker haut er [der Jurastudent] die Antisemitismus-Todeskeule.“ Gelogen ist, dass in Deutschland ausgegrenzt wird, dass einen gesellschaftlichen Tod stirbt, wer Israel kritisiert und als Antisemit bezeichnet wird, wo noch jeder sich vom Vorwurf hierzulande befreien kann, wenn er auf jüdische Freunde oder Juden verweist, die so denken wie er.

Ähnlich unerträglichen Unsinn bringt Wiebke Henke zu Papier, die in ihrem Artikel über die Geschichte Augsburgs zeigen will, wie wichtig Augsburg einmal war. Die Zwischenüberschrift „Von schlauen Köpfen und Bomben“ in der etwas holprig der Übergang von den 1890er Jahren zum 20. Jahrhundert vollzogen wird, lässt erahnen, was kommt, wenn die Phrase von „ der dunkleren neueren Geschichte“ verwandt wird. Wer nun aber denkt, dass abgedroschene Phrasen über den Nationalsozialismus nur schwer zu ertragen sind, der wird hier eines besseren belehrt: „ In unserer schönen Stadt spielte sich auch ein Teil der dunklen neueren Geschichte Deutschlands ab: Augsburg war eine geheime Basis der ersten RAF-Generation“, etc. pp. Dass der NS nicht erwähnt wird, ist geschenkt. Dass „das dunkle Kapitel“ aufgelöst wird in „der dunklen neueren Geschichte, in der nach Belieben alles vom NS bis zum Waldsterben seinen Platz finden und dass Henke gerade die RAF auswählt um der dunklen Geschichte ein Gesicht zu geben, das ist doch eine beachtliche journalistische Leistung; vergleichbar der Erfindung der Antisemitismus-Todeskeule ein paar Seiten vorher.

Dem Inhalt ein angemessenes Gesicht geben – die neue Bahamas

Nachdem der bahamas langsam klar werden muss, dass diejenigen, denen ihre Kritik nach 20 Jahren noch nichts anhaben konnte, auch in den nächsten 20 Jahren nicht bereit sind ihre Dogmen zu hinterfragen und sich dies auch zunehmend in ihren eigenen Inhalten ausdrückt, haben wir gemeinsam mit dem Proletarischen Club einen Relaunch vorbereitet. Voilà:

Die Nacht der langen Messer

Die Nacht der langen Messer

Frisör bzw. Frisöse an der Grottenau,
tolle Idee, das mit der Nacht der langen Messer! „Party, Fun, Begeisterung, Chill-out-Party”. Alles in einem, coole Sache. Und „das alles während du dir deinen neuen Style kreieren lässt“. Klasse, wir sind dabei. Nur: Gabs diese Nacht nicht schon mal, mit jeder Menge Begeisterung, aber wenig Fun? Wie sieht der Röhm-Look aus? Ziehst du uns den Scheitel kostenlos nach? Steigt die After-Party bei Dir oder in Stadelheim?
Peace, Love and Happiness,
deine Frisierten von OS.



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